Belgien (19/197)

Das heutige Reiseziel ist das Königreich Belgien, ein kleiner an der Nordsee gelegener Staat im Westen von Europa. Es grenzt an Frankreich und Deutschland und bildet gemeinsam mit den Niederlanden und Luxemburg die Wirtschaftsunion Benelux.

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Die belgische Küche ist eine Mischung aus französischen, deutschen und niederländischen Gerichten. Die gehobene Küche ähnelt sehr der französischen „haute cuisine“ (die Belgier sagen sie ist auch mindestens genauso gut), die ländliche Küche ist dagegen eher deftig und rustikal.
Bemerkenswerterweise hat das kleine Benelux-Land einen großen Beitrag an der weltweiten Esskultur. Nicht nur belgische Pommes Frites werden rund um den Globus gegessen sondern auch belgische Waffeln, Schokolade und belgisches Bier sind weit über die Grenzen des Landes hinaus bekannt.

Pommes Frites wurden tatsächlich in Belgien erfunden (nicht in Frankreich, wie manche glauben) und gelten dort fast schon als Grundnahrungsmittel. Sie sind auf allen Speisekarten zu finden, von der kleine Kneipe bis zum gehobenen Restaurant und bei allen Einwohnern des Landes gleichermaßen beliebt. An den Frittenbuden, die an jeder Ecke zu finden sind, treffen sich die unterschiedlichsten Leute. Egal ob groß oder klein, arm oder reich, alle lieben Pommes! Traditionell werden sie in einer Papiertüte, der sogenannten cornet de frites, serviert und anders als bei uns, gibt es neben Mayonnaise und Ketchup auch noch ein große Auswahl anderer Soßen.
Ebenfalls an jeder Straßenecke zu haben (besonders in der Hauptstadt Brüssel) sind die berühmten belgischen Waffeln, die Gaufres de Bruxelles. Der knusprig-leicht gebackene Teig wird heiß mit Zucker, Sahne oder frischen Früchten serviert. Das Backen von Waffeln hat in Belgien eine lange Tradition, die bereits auf das 9. Jahrhundert zurückführt.
Auch das Handwerk der Chocolatiers kann auf eine lange Tradition zurückblicken. Bereits zur Zeit der spanischen Herrschaft wurde in Belgien Schokolade hergestellt. Im Jahre 1884 wurde sogar ein Gesetz erlassen, welches den Kakaogehalt von belgischer Schokolade (auf ein Minimum von 35%) festlegt. Über 2000 große und kleine Chocolatiers sind in dem kleinen Land ansässig. Viele von ihnen produzieren ihre Schokolade immer noch von Hand und verkaufen sie in kleinen Läden, in denen besonders Touristen gerne zwischen den ausgefallensten und verschiedensten Pralinen und Schokoladen stöbern. Eine typische Brüsseler Spezialität sind Pralinen in Form von Meeresfrüchten.
Nicht zuletzt ist Belgien auch ein Paradies für Bierliebhaber. Seit dem frühen Mittelalter wird dort gebraut und aktuell sind ca. 500 verschieden belgische Biersorten auf dem Markt, wovon die meisten aus kleinen traditionsreichen Brauereien stammen. Besonders erwähnenswert sind die Trappistenbiere, die in den Trappistenklöstern gebraut werden. Jedes Kloster hat seine traditionellen Mischungen und Verfahren und so gibt es eine ganze Reihe individueller Biersorten, jede mit einem ganz eigenen Character. Im Unterscheid zu Deutschland gibt es in Belgien kein Reinheitsgebot, weswegen auch so ausgefallenen Sorten wie z.B. Himbeerbier möglich sind.
Bier spielt auch in der Zubereitung von Speisen eine große Rolle und ist neben Fleisch, Schinken, Käse, Kartoffeln, Lauch, Spargel und Chicorée eine der Grundzutaten der belgischen Küche. Neben dem Nationalgericht Carbonade Flamande gilt auch in Bier geschmortes Kaninchen als belgische Delikatesse.

In Belgien werden typischerweise drei Mahlzeiten am Tag eingenommen. Ein leichtes Frühstück und Mittagessen und ein großes, warmes Abendessen.
Als Vorspeise gibt es häufig Suppe und auch Eintöpfe werden gerne gegessen, wie z.B. das flämische Nationalgericht Waterzooi (Eintopf mit Gemüse, Fisch oder Huhn). Sehr bekannt ist auch der nach der Stadt Lüttich benannte Salade Liègeoise, ein Salat aus Kartoffeln, Bohnen und Speck.
Da auf frische heimische Produkte großen Wert gelegt wird, haben sowohl Saison als auch Region großen Einfluss auf die Essgewohnheiten. Im französisch-sprachigem Teil Belgiens, der Wallonie, gibt es teilweise ganz andere traditionelle Gerichte als in Flandern, dem niederländischen Teil des Landes. Auch die Landschaft spielt eine Rolle. So isst man in den bewaldeten Ardennen z.B. häufig Wild während an der Küste die Gerichte mit Fisch und Meeresfrüchten vorherrschen.


MENÜ

Vorspeise:
Endives au Gratin
Überbackener Chicorée

Hauptspeise:
Carbonade Flamande
In Bier geschmortes Rindergulasch

Beilage:
Pommes Frites
Selbstgemachte Pommes nach belgischer Art

Nachspeise:
Dame Blanche
Vanilleeis mit heißer Schokoladensauce

Die klassische belgische Vorspeise wären eigentlich Moules Frites gewesen, aber leider hatten Miesmuscheln zu der Zeit als wir das Menü gekocht haben noch keine Saison.
Da wir kein Waffeleisen besitzen mussten wir leider auch auf Gaufres de Bruxelles verzichten und haben uns diesmal bei der Nachspeise für etwas ganz einfaches entschieden.
Was den Einkauf angeht, braucht es für das Hauptgericht zwei essentielle Zutaten: Die erste ist belgisches Bier. Man kann es online bestellen oder wenn man – wie wir – in München wohnt z.B. hier kaufen. Am besten gleich ein paar Flaschen mehr… 🙂 Die zweite besondere Zutat ist pain ‘epices, ein französisches Gewürzbrot, ähnlich dem Honigkuchen, den man bei uns verpackt im Bioladen bekommt. Wir haben es am Vortag selbst gemacht, und dafür dieses und dieses Rezept verwendet.

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REZEPTE

Endives au Gratin
Überbackener Chicorée

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Ein klassisches belgisches Gericht, das besonders im Winter gerne gegessen wird.

Zeitaufwand:
1 Stunde (inkl. Zeit im Ofen)

Zutaten:
Für 4 Personen als Vorspeise

4 große Chicoréestauden
4 Scheiben Kochschinken
120 g Gruyere
1 EL Parmesan
500 ml Vollmilch
40 g Butter (für die Béchamelsauce)
2 EL Butter (für den Chicorée)
1 EL Butter (für die Form)
40 g Mehl
frisch geriebene Muskatnuss
schwarzer Pfeffer aus der Mühle
Salz

Zubereitung:
Vom Chicorée die äußeren Blätter entfernen, waschen und den Strunk entfernen. Auf Küchenpapier etwas abtropfen lassen.

2 EL Butter in einer Pfanne erhitzen und den Chicorée von beiden Seiten leicht anbräunen. Etwas salzen und pfeffern und mit einem kleinen Schuss Wasser ablöschen.
Den Deckel auf die Pfanne geben und für etwa 15 Minuten auf sehr kleiner Flamme dünsten lassen.

In der Zwischenzeit die Béchamelsauce zubereiten:
40 g Butter bei mittlerer Hitze in einem Topf erhitzen und das Mehl mit einem Schneebesen glatt unterrühren. Das ganze etwa 1 Minute aufschäumen lassen aber darauf achten dass es keine braune Farbe annimmt. Nun unter ständigem Rühren die Milch zugießen und dabei die Soße wieder zum Kochen bringen. Für ca. 10-15 Minuten auf kleiner Flamme leicht köcheln lassen. Dabei immer mal wieder umrühren.

Wenn der Chicorée fertig ist, aus der Pfanne nehmen und in einem Sieb abtropfen lassen. Die verbleibende Brühe in etwa auf die Hälfte reduzieren.

Den Backofen auf 220 °C vorheizen.

Den Käse reiben. Die fertige Béchamelsauce mit der eingekochten Brühe verrühren und etwa ein Drittel vom Käse unterrühren bis er sich komplett aufgelöst hat.
Die Sauce mit Salz, Pfeffer und Muskat abschmecken.

Die Schinkenscheiben ausbreiten, jeweils mit einer Chicoréestaude belegen und einrollen. Nebeneinander in die gefettete Auflaufform legen, mit der Sauce begießen und mit dem restlichen Käse bestreuen.

20 Minuten im vorgeheizten Ofen goldbraun gratinieren lassen.

Unsere Wertung:
Leckeres, cremiges und schmackhaftes Comfort-Food vor allem zur kalten Jahreszeit. Allerdings besser als Hauptgericht geeignet als zur Vorspeise und definitiv nichts für Kalorienzähler.
9/10
Punkte


Carbonade Flamande
In Bier geschmortes Rindergulasch

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Dieser würzig-süße Schmortopf ist ähnlich dem französischen Boeuf Bourguignon.
Das Gericht stammt wohl bereits aus dem Mittelalter. Der Name kommt vermutlich von dem lateinischen Wort „carbon“ (=Kohle). Das ursprüngliche Carbonade waren dünne Scheiben Rindfleisch, die auf Kohle gegrillt wurden. Um die Reste vom Vortag weniger trocken und schmackhafter zu machen wurde alles zusammen in Bier gekocht.
Bis heute ist dieses beliebte Gericht ein wichtiger Bestandteil der belgischen Küche und gilt als Nationalgericht.

Zeitaufwand:
Ca. 45 Minuten + 2-3 Stunden Kochzeit

Zutaten:
Für 4 Personen

1 kg mageres Rindergulasch
200 g Speck
4 dünne Scheiben Pain d’epices
2 große Zwiebeln
1 Flasche (375 ml) belgisches Bier z.B. Chimay Braune oder Leffe Brune
600 ml Rinderbrühe
ca. 1 EL Dijonsenf
2 EL brauner Zucker
1-2 Lorbeerblätter
2-3 Zweige frischer Thymian oder 1 TL getrockneter Thymian
1-2 Nelken
4 EL Butter
Salz
Pfeffer

Zubereitung:
Zwiebeln in feine Ringe schneiden, Speck würfeln, Rindergulasch großzügig salzen und pfeffern.

Butter in einer Pfanne schmelzen lassen und die Zwiebeln auf kleiner Flamme ca. 10 Min. weich dünsten.

Hitze etwas höher schalten, Speckwürfel dazugeben und für ca. 10 Minuten bei geschlossenem Deckel anbraten. Zwischendurch immer mal wieder umrühren.
Speck und Zwiebeln herausnehmen und beiseite stellen, die Flüssigkeit bleibt in der Pfanne.

Nun das Fleisch in die Flüssigkeit geben und auf höchster Stufe scharf anbraten, dabei regelmäßig rühren bis es von allen Seiten gut gebräunt ist, das gibt dem Eintopf seine typische tiefbraune Färbung. Die Hitze wieder reduzieren, das Fleisch herausnehmen und beiseite stellen. Die Flüssigkeit bleibt wieder in der Pfanne.

Den braunen Zucker in die Flüssigkeit geben und bei mittlerer Hitze einköcheln lassen bis sich die Flüssigkeit etwa um die Hälfte reduziert hat.
Speck, Zwiebel und Fleisch dazugeben und umrühren.

Jetzt das Bier und die Rinderbrühe dazugeben. Alles sollte komplett mit Flüssigkeit bedeckt sein.
Lorbeerblätter, Thymian und Nelken hineingeben.

Die Brotscheiben dünn mit Senf bestreichen und vorsichtig in die Pfanne legen, so dass die gesamte Oberfläche bedeckt ist. Für 2-3 Stunden bei kleiner Hitze zugedeckt und ohne Rühren köcheln lassen bis sich das Brot aufgelöst hat. Wenn die Konsistenz zu flüssig ist ohne Deckel noch etwas einkochen lassen.

Zum Schluss mit Rotweinessig, Salz, Pfeffer und evtl. noch etwas braunem Zucker abschmecken. Mit Pommes Frites oder gekochten Kartoffeln servieren.

Unsere Wertung:
Zartes, weiches Fleisch in Kombination mit einer perfekten Mischung aus süß, sauer und würzig und dazu der deftige Biergeschmack… Einfach nur lecker! Die Reste haben wir am nächsten Tag mit Bandnudeln gegessen, was sogar fast noch besser war.
Diese Gericht war so gut, das wir es ein paar Tage später gleich nochmal gekocht haben (dann allerdings mit bayerischem Bier statt mit belgischem. Funktioniert auch 🙂 ) und bekommt von uns einstimmig die Bestwertung.
10/10
Punkte


Pommes Frites
Selbstgemachte Pommes nach belgischer Art

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Belgische Pommes werden typischerweise zweimal frittiert, das macht sie besonders knusprig und lecker. Ursprünglich wurden sie in Rindernierenfett frittiert, die ihnen den typischen Geschmack verliehen. Heutzutage wird es allerdings nur noch selten verwendet.

Zeitaufwand:
Ca. 30 Minuten

Zutaten:
Für 4 Personen als Beilage

4 große mehligkochende Kartoffeln
Öl
Salz

Zubereitung:
Kartoffeln schälen, waschen und in Stifte schneiden. Dazu am besten die Kartoffeln längs in ca. 1 cm dicke Scheiben schneiden und dann in ca. 1 cm breite Streifen

Die Kartoffelstifte waschen und für ca. 30 Minuten in eine Schüssel mit kaltem Wasser legen. So entfernt man die Kartoffelstärke und verhindert dass die Pommes aneinander kleben.
Anschließend die Stifte mit einem Geschirrtuch gut abtrocknen.

Für den ersten Frittiervorgang sollte das Öl/Fett 150° heiß sein. Die Pommes portionsweise jeweils für ca. 6 Minuten frittieren bis sie gar sind und eine weiße Farbe angenommen haben (nicht braun!) Danach auf einem Küchenpapier abtropfen lassen.
Es ist wichtig dass nicht zu viel Pommes auf einmal frittiert werden, da das Öl/Fett sonst zu viel abkühlt.

Für den zweiten Vorgang sollte die Temperatur 175° haben. Die vorgegarten Pommes wieder portionsweise frittieren, diesmal nur für 1-2 Minuten bis goldgelb sind. Danach nicht mehr auf Küchenpapier legen, da sie sonst an Knusprigkeit verlieren, am besten in einem Sieb abtropfen lassen.

Die fertig frittierten Pommes nach Geschmack salzen und sofort servieren.

Unsere Wertung:
Sehr leckere und knusprig, so wie man sich gute Pommes vorstellt.  Ich persönlich fand, dass sie nicht die beste Beilage für das Gulasch waren, vermutlich liegt das aber daran dass ich generell kein großer Pommes-Fan bin.
8,5/10
Punkte


Dame Blanche
Vanilleeis mit heißer Schokoladensauce

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Ein schnelles und einfaches belgisches Dessert. Die Schokoladensauce wird in der Regel in einem extra Kännchen serviert, aus dem man sich die heiße Sauce selber auf das Eis gießen kann.

Zeitaufwand:
5 Minuten

Zutaten:
Für 4 Personen

Bestes Vanilleeis
250 g Zartbitterschokolade (60-70% Kakaoanteil)
180 ml Sahne
1 EL Butter

Zubereitung:
Sahne in einem Topf erhitzen.

Schokolade und Butter ebenfalls in eine Schüssel über einem Wasserbad erhitzen.

Sahne über die weiche Schokolade und Butter gießen und alles zu einer glatten glänzenden Sauce verrühren.

Sauce in ein vorgewärmtes Kännchen geben und noch heiß mit einer Schüssel Vanille servieren.

Unsere Wertung:
Schnell und einfach zubereitetes Dessert, das auch was hermacht wenn mal Gäste kommen. Vanille-Eis mit heißer Schokoladensauce kann ja gar nicht nicht schmecken, aber ist halt auch nichts besonderes.
6/10
Punkte


UNSER FAZIT:

Das kleine Land Belgien ist kulinarisch gesehen ganz groß! Wir waren sehr satt und sehr glücklich nach unserem belgischen Schlemmerabend. Der Chicorée und vor allem das Gulasch sind zwei absolute Knaller und kommen auf jeden Fall noch öfter bei uns auf den Tisch.
Beim nächsten Mal reisen wir wieder in karibische Gefilde, es geht in das mittelamerikanische Belize.


REZEPTIDEEN UND INSPIRATION:

https://en.wikipedia.org/wiki/Belgian_cuisine
http://www.essen-und-trinken.de/topthemen/specials/belgien/?eid=1003189
https://www.cuisimonde.com/die-kuechen-europas/mitteleuropa/die-kueche-belgiens.html
http://www.unitednoshes.com/2011/week-17-belgium/
http://www.gourmandissimo.de/rezepte-gratinierter-chicoree-belgien/
http://www.marmiton.org/recettes/recette_endives-chicons-au-gratin-belgique_27819.aspx
http://principiagastronomica.com/post/21
http://www.196flavors.com/2012/11/25/belgium-carbonnade-stoofvlees/
http://www.globalgourmet.com/destinations/belgium/stew.html#axzz45h9CksES
http://www.healthy-life.narod.ru/wor_ek20.htm
http://www.marions-kochbuch.de/rezept/2997.htm
http://www.thefoodhound.com/2014/03/27/dame-blanche-aka-the-best-chocolate-sauce-on-earth/