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Albanien (3/197)

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Die albanische Küche ist mediterran geprägt, zeigt aber als Teil der Balkanküche auch orientalische Einflüsse. Parallelen zur Küche der Türkei und Griechenland sind eindeutig erkennbar, aber auch andere Küchen des Balkans wie z.B. die bulgarische Küche weisen Verwandtschaft mit der albanischen Küche auf.

Regional haben sich teils erhebliche Unterschiede entwickelt. Es existieren oft verschiedene Versionen desselben Gerichts, die von Region zu Region, oder sogar von Dorf zu Dorf variieren.  Daher ist es nicht ganz einfach eine Sammlung von typisch albanischen Gerichten zusammenzustellen, zumal auch eher nach Augenmaß gekocht wird und Rezepte selten aufgeschrieben werden.

Die landwirtschaftlichen Flächen Albaniens sind zum Teil sehr fruchtbar, daher steht dem Land eine Vielzahl der verschiedensten Zutaten zur Verfügung. Gemüse und Salate kommen stets frisch von den umgrenzenden Bauern.
Neben den verschiedensten Obst- und Gemüsesorten wird fast täglich Fleisch gegessen, häufig auch als Hackfleisch. Die verwendeten Sorten sind hauptsächlich Lamm, aber auch Ziege, Rind, Kalb und Huhn. An den Küstenregionen und an den großen Binnenseen kommt auch gerne Fisch zum Einsatz. Es gibt Reis, Teigwaren und auch Milchprodukte wie Joghurt und Schafskäse. Typische Gewürze sind z.B. Oregano, Minze, Paprika, Basilikum, Zwiebeln und Knoblauch. Albanisches Nationalgetränk ist der Raki, ein Schnaps der aus einheimischen Weintrauben hergestellt wird. Auch Boza – zubereitet aus Bulgur, Wasser, Mehl, Zimt und Vanille ist ein typisch albanisches Getränk.

Die wichtigste Mahlzeit der Albaner ist das Mittagessen. Hierzu gehört neben der Hauptspeise meist ein Salat aus Tomaten, Gurken, Paprika und Oliven. Auch Suppen stehen häufig auf dem Speiseplan. Als Beilage gibt es sogenannte Mezes, kleine Häppchen ähnlich wie Tapas in Spanien. Zum Dessert ist man gerne frische Früchte, wie Granatäpfel, Melonen oder Trauben.
Das beliebteste Dessert in Albanien aber ist Baklava und dazu wird ein starker Mokka getrunken. Hier ist der türkisch-orientalische Einfluss sehr deutlich zu erkennen.

Die Albaner sind dafür bekannt extrem gastfreundlich zu sein. Immer wieder werden neue Speisen aufgetischt obwohl man als Gast schon längst satt ist. Lehnt man diese aber ab, wird es als unhöflich empfunden.
In dörflichen Gegenden gibt es in Restaurants oft keine Speisekarte. Man isst eben das, was gerade vorhanden ist 🙂


MENÜ

Vorspeise:
Fasule
Albanische Bohnensuppe

Hauptspeise:
Tavë Kosi
Gebackenes Lamm in Joghurtsoße

Nachspeise:
Baklava
Blätterteig-Gebäck mit Honig und Nüssen

Beim Einkauf gab es diesmal keine besonderen Herausforderungen und wir können gleich loslegen. In diesem Sinne:

Ju bëftë mirë!


 

Fasule
Albanische Bohnensuppe

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Fasule  ist eine mit viel Paprika gewürzte Suppe aus langsam weich gekochten Zwiebeln und Bohnen. Sie soll in Albanien ein sogenanntes „Comfort Food“ sein, was auf Deutsch soviel heißt wie „Nervennahrung“, also ein Art Trost-Essen für Körper und Geist. Da bekommt man doch gleich großen Appetit!

Für diese Gericht braucht es wieder etwas Zeit. Die Bohnen müssen frühzeitig eingeweicht werden und das Ganze muss noch etwa 2 Stunden kochen. Dafür ist sonst fast nichts zu tun.

Zeitaufwand:
ca. 2 Stunden inkl. Kochzeit + 12 Stunden Einweichzeit

Zutaten:
Für 2 Personen zum satt essen oder für 4 als Vorspeise

350 g getrocknete weiße Bohnen
1 große Zwiebel
120 ml Olivenöl
2 EL Tomatenmark
1 EL gehackte Petersilie
1 EL gehackte frische Minze
1 EL Süßes Paprikapulver
1 EL Gemüsebrühe (Pulver)
1 EL Butter
Salz
Chili-Pulver

Zubereitung:

Die Bohnen über Nacht einweichen lassen.

Die Bohnen ohne Deckel für etwa 5 Minuten kochen lassen, die Bohnen sollten mit Wasser komplett bedeckt sein.

Das Wasser abgießen und Bohnen in einen Topf mit etwa 1 l frischem Wasser geben. 1 EL Butter hinzufügen und erneut kochen lassen, diesmal mit Deckel bis die Bohnen weich sind (Angaben auf der Packung beachten). Währenddessen kann man schon mal die Zwiebel hacken.

Wenn die Bohnen weich gekocht sind etwa eine Hand voll aus dem Topf entnehmen und mit etwas Kochwasser zu einem Muß pürieren. Restliche Bohnen auf kleiner Flamme weiter kochen lassen.

Gehackte Zwiebeln in 120 ml Olivenöl ca. 10 Minuten andünsten bis sie glasig werden. Dann zwei Esslöffel vorbereitetes Bohnenmuß zu den Zwiebeln zugeben und umrühren.
Danach Tomatenmark, Paprikapulver, etwas Salz und 1 Prise Chili zu den Zwiebeln geben.

Alles gut durchrühren und ca. 10 Minuten bei kleiner bis mittlerer Hitze kochen lassen, bis sich eine dicke Sauce bildet. Währenddessen Petersilie und Minze hacken.

Nun die Soße zu den Bohnen in den Topf geben, Gemüsebrühe, Minze und Petersilie dazu geben. Wenn die Suppe zu dickflüssig ist evtl. noch etwas Wasser dazu geben.
Den Topf abdecken und auf kleiner Flamme etwa 1 Stunde köcheln lassen.

Am Ende der Kochzeit nochmal mit Salz und Pfeffer abschmecken. Mit etwas gehackter Petersilie und/oder Minze garnieren und mit frischem Fladenbrot servieren.

Die Suppe gewinnt durch erneutes Aufwärmen an Geschmack, am besten also gleich eine große Menge kochen und am nächsten Tag nochmal essen.

Unsere Wertung:

Eine Bohnensuppe wie man sie sich vorstellt! Lecker und sättigend, ein perfektes Essen für einen kalten Wintertag. Die frische Minze macht dazu noch eine besondere, etwas orientalische Note. Sie kocht sich quasi von allein und eignet sich sich daher hervorragend als Abendessen wenn man mal keine Lust auf eine große Kocherei hat. Wird bei uns auf jeden Fall nochmal auf den Tisch kommen.
7,5/10 Punkte


Tavë Kosi
Gebackenes Lamm in Joghurtsoße

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Tavë Kosi (auch bekannt als Tave Elbasani, nach der Stadt in der es seinen Ursprung hat) ist ein einfaches, klassisch Albanisches Gericht. Es ist im ganzen Land beliebt und ein Essen an das jeder Albaner der im Ausland lebt denkt, wenn er sich in seine Heimat zurücksehnt.

Zeitaufwand:
ca. 2 Stunden

Zutaten:
Für 4 Personen

1,2 kg Lammfleisch
2 Zehen Knoblauch
650 g Joghurt (mit hohem Fettgehalt, z.B. griechischer Joghurt)
4 Eier
2 EL Oregano
2 EL frische Petersilie, gehackt
6 EL Reis
2 EL Mehl
50 gr Butter
Salz, Pfeffer

Zubereitung:

Ofen auf 180 Grad vorheizen.

Lammfleisch in ca. 5 cm große Stücke schneiden, salzen und pfeffern. Dann in einer großen Pfanne in Butter von allen Seiten anbraten.

Knoblauch in Scheiben schneiden und kurz mitbraten.

Knoblauch und Lammstücke In eine Ofenform geben und bei 180 Grad 45 Minuten backen.
Danach Ofen nicht ausschalten, aber Ofenform heraus nehmen und evtl. etwas Fett abschöpfen. Dann beiseite stellen.

Eier, Joghurt, Mehl und Reis zusammen in einem Topf erhitzen aber nicht kochen lassen. Dabei beständig rühren, bis die Mischung leicht eindickt.
Mit Oregano, Salz und Pfeffer abschmecken.

Die Sauce in die Ofenform über die Lammstücke gießen, so dass diese möglichst komplett bedeckt werden.

Butterflocken darüber verteilen.

Nochmals 45 Minuten bei 180 Grad backen.

Zum servieren am besten in der Ofenform lassen und mit etwas gehackter Petersilie bestreuen.

Wir haben als Beilage noch einen griechischen Salat dazu gegessen.

Unsere Wertung:
Bei diesem Gericht waren wir von Anfang an skeptisch, daher konnten wir letztendlich nur positiv überrascht sein. Am Anfang ist es ein eher gewöhnungsbedürftiges Essen, je mehr man davon isst, desto besser schmeckt es aber. So ganz hat es unseren Geschmack trotzdem nicht getroffen. Der Joghurt machte das Gericht zu säuerlich, und das Verhältnis Fleisch zu Soße war nicht ausgewogen. Wir haben das Rezept dementsprechend etwas angepasst: etwas mehr Lamm, dafür weniger Joghurt und Ei. Auch müsste es mit dem sahnigeren, griechischen Joghurt weniger säuerlich schmecken. Es wäre interessant das Gericht in der abgeänderten Form nochmal zu kochen, deswegen geben wir ihm evtl. nochmal eine zweite Chance 🙂
Falls es jemand nach unserem Rezept kochen sollte, bitte unbedingt davon berichten!
5/10 Punkte


Baklava
Blätterteig-Gebäck mit Honig und Nüssen

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Baklava dürfte den meisten eher als Türkische Süßspeise bekannt sein, aber da es in Albanien die beliebteste Nachspeise ist haben wir uns trotzdem für diese Gericht entschieden. Es gehört im gesamten Nahen Osten und auf der Balkanhalbinsel zum traditionellen Gebäck und viele dieser Länder beanspruchen die Herkunft für ihre Nationalküche.

Zeitaufwand:
ca. 45 Minuten

Zutaten:
Für mind. 6 Personen

300 g Yufka (Filoteig)
150 g Walnüsse gehackt
150 g Mandeln gehackt
100 g Honig
150 g Zucker
200 ml Wasser
150 g Butter
2 Nelken, zerrieben
1 TL Zimt

Zubereitung:

Backofen auf 180 Grad vorheizen. Butter in einem Topf zerlassen. Nüsse mit dem Zimt vermengen.

Eine Auflaufform mit Butter fetten.
Dann eine erste Lage Teig in die Form legen und mit Butter bepinseln. Mit der nächsten Schicht Teig wiederholen, so lange bis die Hälfte vom Teig verbraucht ist.

Die Nussmischung darauf verteilen, dann mit dem restlichen Teig wie gehabt fortfahren.

Das Baklava streifenförmig einschneiden so dass etwas 3 x 5 cm große Stücke entstehen.

Die Restliche zerlassene Butter auf der obersten Schicht verteilen.

Bei 180 Grad 30 Minuten Backen.

Währenddessen in einem Topf Zucker, Wasser, Honig und Nelken unter Rühren zum Kochen bringen. Ca 10 Minuten kochen.

Den so entstandenen Sirup heiß über dem gebackenen Auflauf verteilen.
Abkühlen lassen und geniessen.

Unsere Wertung:
Wer Süßes mag liegt mit Baklava absolut richtig. Eine absolute Kalorienbombe! extrem süß und fettig, aber auch mindestens genauso lecker. Einfach und schnell zuzubereiten, also eine perfekte Nachspeise (oder Gebäck zum Kaffee) wenn sich mal mehrere Gäste ankündigen.
7,5/10 Punkte


UNSER FAZIT:

Die Albanische Küche hat mehr zu bieten als man erwartet. Dass eine einfache Bohnensuppe so gut schmecken kann hat uns mehr als überrascht und das Lamm in Joghurtsoße war interessantes kulinarisches Neuland für uns. Albanien ist auf jeden Fall eine Schlemmerreise wert!
Nächste Woche geht es wieder zurück nach Nordafrika, diesmal nach Algerien.

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