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Belarus (18/197)

Belarus ist ein an Polen, die Ukraine, Russland, Lettland und Litauen grenzender Binnenstaat und war bis zur Auflösung 1991 Mitglied der Sowjetunion.
In Deutschland ist Belarus eher unter dem Namen Weißrussland bekannt, die offiziellen Stellen von Belarus und die deutsche Diplomatie verwenden aber den Namen Belarus, um die Unterscheidung von Russland deutlicher zum Ausdruck zu bringen.

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Die weißrussische Küche ist ein Mix aus alten traditionellen Gerichten und Einflüssen aus den Nachbarländern. Sie ähnelt den Küchen Russlands, Litauens, der Ukraine, Polens und enthält auch Elemente der jüdischen Küche.

Die heutige belarussische Küche basiert sowohl auf simplen Gerichten des „einfachen“ Volks als auch auf der exquisiteren und aufwändigeren Küche des Adels.
Die Gerichte der Leute auf dem Land waren stets herzhaft, einfach in der Zubereitung und verwendeten regionale Zutaten. Die Adeligen hingegen hatten natürlich viel mehr Möglichkeiten. Sie experimentierten mit aufwändigeren Zubereitungsarten, verwendeten teure Produkte aus dem Ausland und exotische Gewürze.
Da die Belarussen ein Volk sind, das sehr an seinen Traditionen festhält sind viele Rezepte der heutigen Küche schon sehr alt und fast unverändert geblieben.

Wichtigestes Nahrungsmittel in Belarus ist die Kartoffel. Seit ihrer Einführung im 18. Jahrhundert ist sie zum Grundnahrungsmittel Nummer eins geworden. Sie wird als „zweites Brot“ bezeichnet und wird von den Weißrussen geradezu verehrt. Es gibt über 200 verschiedene Kartoffelrezepte und nicht umsonst wurden die Einwohner von Belarus früher als „Bulbashi“ (Kartoffelfresser) bezeichnet.
Neben Kartoffeln bilden auch andere Gemüsesorten wie Kohl, Rüben, Rote Bete, Karotten oder Kürbis die Grundlage der belarussischen Küche ebenso wie verschiedenste Hülsenfrüchte, wilde Kräuter, Pilze, Beeren und Früchte. Auch Milch und Milchprodukte werden häufig verwendet.
Die weißrussische Küche ist eher moderat gewürzt. Die wichtigsten Gewürze sind Zwiebeln, Knoblauch, Petersilie, Dill, Majoran, Pfeffer, Koriander und Kümmel.
Da es für die arme Bevölkerung zu teuer war, kam Fleisch früher nur zu Festlichkeiten und an Feiertagen auf den Tisch, meist in Form von Schweinefleisch und -speck. Heutzutage wird viel häufiger Fleisch konsumiert und neben Schwein werden gelegentlich auch Hammel, Rind und Geflügel verwendet.
Auch Süßwasserfisch und Flusskrebse finden Anwendung in der belarussischen Küche, frisch gefangen aus den Flüssen des Landes.
Das traditionelle Brot der Belarussen ist ein schweres und säuerliches Roggenbrot, welches meist ohne Verwendung von Hefe hergestellt wird. Brot wurde lange Zeit nur aus Roggen gebacken. Erst seit dem 20. Jahrhundert wurde dazu übergegangen auch Weizen zu verwenden. Heute sind beide Getreidesorten gleichermaßen beliebt.
Auch das typisch weißrussische Getränk Kvass wird aus fermentiertem Roggenbrot oder -mehl hergestellt.

In Belarus werden gewöhnlich drei Mahlzeiten am Tag gegessen. Zum Frühstück gibt es in Belarus Pfannkuchen oder Omelette und auch zum Mittagessen gibt es etwas herzhaftes, wie z.B. Borschtsch. Die größte Mahlzeit des Tages ist das Abendessen, welches fast immer frisch zubereitet wird.
Die Zutaten variieren mit den Jahreszeiten. Während im Sommer viel Gemüse gegessen wird, kommen im Herbst und Winter viel Fleisch und Brot auf den Tisch.
Da die Winter in Weißrussland besonders langen und hart sind spielte das Konservieren von Nahrungsmitteln schon immer eine große Rolle in der belarussischen Küche. Kohl wurde zu Sauerkraut verarbeitet; Pilze und Obst getrocknet; aus Beeren wurde Marmelade gekocht; Fleisch und Fisch getrocknet, gepökelt und geräuchert.


MENÜ

Vorspeise:
Weißrussische Borschtsch
Rote-Bete-Suppe

Hauptspeise:
Machanka
Eintopf vom Schwein

Beilage:
Draniki
Kartoffelpfannkuchen

Nachspeise:
Apfelkuchen nach weißrussischer Art

Wir haben uns für einfache Gerichte mit typisch belarussischen Zutaten entschieden.
Was bei keinem weißrussischen Menü fehlen darf sind natürlich die geliebten Kartoffeln und außerdem Smetana, eine russische saure Sahne von besonders cremiger Konsistenz. Wir konnten sie ohne Probleme im russischen Spezialitätenladen finden. Sollte man so etwas nicht um die Ecke haben kann man auch einfach saure Sahne oder Schmand verwenden.

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REZEPTE

Weißrussische Borschtsch
Rote-Bete-Suppe

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Diese Rote-Bete-Suppe ist im gesamten osteuropäischen Bereich bekannt. Jede Familie hat ihr eigenes Rezept. In der weißrussischen Borschtsch dürfen natürlich die Kartoffeln auf gar keinen Fall fehlen.
Es gibt auch vegetarische Borschtsch, aber in unserer Variante ist die Grundlage eine Brühe aus gekochten Schweineknochen, so wie es die traditionellen Rezepte vorsehen.

Zeitaufwand:
ca. 3 Stunden inkl. Kochzeit

Zutaten:
Für 4-6 Personen

300 g Schweinerippchen
2 Stück Rote Bete
2 Karotten
1/2 kleiner Weißkohl
2 mehligkochende Kartoffeln
1 Zwiebel
1 Knoblauchzehe
1 Becher Smetana (oder Schmand)
3 EL Tomatenmark
1 EL Zucker
2 EL Apfelessig
2-3 EL frischer Dill
1 Lorbeerblatt
2 EL Olivenöl
Salz und Pfeffer

Zubereitung:
Schweinerippchen großzügig salzen und pfeffern und in 2 EL Olivenöl scharf anbraten.

Zwiebel schälen, vierteln, dazu geben und kurz mit anbraten.

Mit 2 Liter Wasser aufgießen, aufkochen lassen und auf kleine Flamme stellen. Nach ein paar Minuten den Schaum der an der Oberfläche entsteht abschöpfen und dann 2 Stunden ohne Deckel köcheln lassen.

Rote Bete abschrubben und in ca. 1 cm große Würfel schneiden. Karotten und Kartoffeln schälen und ebenfalls in gleich große Würfel schneiden. Kohl hacken so dass die Stücke in etwa die
gleiche Größe wie die Gemüsewürfel haben. Knoblauch in feine Scheiben schneiden.

Am Ende der Kochzeit die Brühe mit dem Fleisch und den Zwiebeln abgießen und in einem Gefäß auffangen. Zwiebeln und Knochen mit Fleisch können weggeworfen werden.

Brühe mit Wasser auf insgesamt 1,5 Liter Flüssigkeit strecken und zusammen mit dem ganzen Gemüse in einen großen Suppentopf geben. Salzen, pfeffern und Zucker dazu geben und zum kochen bringen. Ca. 1 Stunde bei wenig Hitze köcheln lassen, mindestens bis das Gemüse weich ist.

In der Zwischenzeit Dill fein hacken.

1 EL Dill, Essig und Tomatenmark dazu geben, mit Salz und Pfeffer abschmecken und für weitere 10 Minuten köcheln lassen.

Zum Servieren einen ordentlichen Klecks Smetana oder Schmand auf die Suppe geben und mit dem restlichen Dill bestreuen.

Unsere Wertung:
Eine leckere sättigende Suppe mit einer angenehm süß-sauren Note. Trotz der herzhaften Zutaten schmeckt sie angenehm frisch. Mit etwas Brot dazu eignet sie sich auch hervorragend als Hauptspeise.
7,5/10 Punkte


Machanka 
Eintopf vom Schwein

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Machanka ist eine traditionelles belarussisches (und ukrainisches) Gericht.
Ursprunglich wurden sämtliche Reste von Schweinefleisch in diesem Gericht weiterverarbeitet. Es gibt viele unterschiedliche Zubereitungsweisen, einige auch mit ergänzenden Zutaten wie Pilze, Kartoffeln oder Rüben. Wir haben uns für die klassische Variante mit Smetana und ohne Gemüse entscheiden.

Zeitaufwand:
Ca. 1 Stunde

Zutaten:
Für 2 Personen mit viel Hunger
(Im Menü reicht die Menge auch für 4 Personen)

300 g Schweineschulter
200 g grobe Bratwurst
1 Zwiebel
200 g Smetana (oder Schmand)
300 ml Rinderbrühe
25 g Mehl
1-2 EL frischer Schnittlauch
2 Lorbeerblätter
5-6 ganze Pfefferkörner
2 EL Butter
1-2 EL Olivenöl
1 TL Salz

Zubereitung:
Schweinefleisch in 2-3 cm große Stücke schneiden, Bratwurst in etwa gleich große Scheiben schneiden. Zwiebel würfeln.

1 EL Öl und 1 EL Butter in einer Pfanne erhitzen und Fleisch und Wurst scharf anbraten bis es Farbe annimmt. Aus der Pfanne nehmen und auf einem teller mit Küchenpapier abtropfen lassen.

Zwiebelwürfel in der gleichen Pfanne andünsten. Evtl. noch etwas Öl zugeben.

Wenn die Zwiebeln glasig sind das Fleisch wieder zurück in die Pfanne geben und mit der Rinderbrühe aufgießen. Lorbeerblatt hineingeben und mit geschlossenem Deckel für 20 Minuten köcheln lassen.

Ofen auf 180 Grad vorheizen.

Nach ca. 10 Minuten eine Tasse von der Brühe abschöpfen und beiseite stellen.

In einer weiteren Pfanne 1 EL Butter schmelzen, das Mehl mit einem Schneebesen einrühren und für 1-2 Minuten unter ständigem Rühren anschwitzen. Abgeschöpfte Brühe dazugeben, nochmal kräftig durchrühren und dann die Smétana unterrühren. Salz und Pfefferkörner dazugeben und für ca. 5 Minuten auf kleinster Flamme unter ständigem Rühren köcheln lassen.

Nun das Ganze zurück in die Pfanne mit dem Fleisch geben und etwas unterrühren.

Alles in eine feuerfeste Form schütten und für 20 Minuten in den vorgeheizten Backofen stellen.

Mit gehackten Schnittlauch bestreuen und mit Draniki servieren.

Unsere Wertung:
Ein schmackhaftes, herzhaftes und sättigendes Essen, am besten für einen kalten Wintertag. Durch das viele Fett definitiv kein Diät-Essen, aber dafür umso leckerer. Die Smetana macht die Soße wunderbar cremig. (Es lohnt sich übrigens sich auf die Suche danach zu machen, da die Konsistenz tatsächlich noch etwas cremiger ist als von saurer Sahne oder Schmand) 
8,5/10 Punkte


Draniki
Kartoffelpfannkuchen

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Draniki ist DAS belarussische Nationalgericht und zugleich die traditionelle Beilage für Machanka.
Im Gegensatz zu dem bei uns bekannten Reiberdatschi oder Kartoffelpuffer werden die Kartoffeln ganz fein gerieben, so dass ein richtiger flüssiger Pfannkuchenteig entsteht.

Zeitaufwand:
45 – 60 Minuten

Zutaten:
Für 4-8 Stück (je nach Größe)

5 mittelgroße mehligkochende Kartoffeln
1 kleine Zwiebel
1 kleine Knoblauchzehe (optional)
1 Ei
8 EL Sonnenblumenöl
Salz
Schwarzer Pfeffer
4 EL Smetana oder Schmand
1 EL frischer fein gehackter Dill

Zubereitung:
Kartoffeln und Zwiebel schälen und so fein wie möglich reiben. Es sollte dabei eine dickflüssige Masse dabei entstehen.

Kartoffel-Zwiebel-Masse in ein Sieb geben und über einem Gefäß 10 Minuten abtropfen lassen.
Nicht ausdrücken, da ruhig noch etwas Flüssigkeit vorhanden bleiben sollte!

Nach den 10 Minuten, die abgetropfte Masse in eine Schüssel geben. Die Flüssigkeit langsam in den Ausguss schütten, aber dabei darauf achten, dass die Stärke die sich am Boden gesammelt hat nicht mit weggeschüttet wird. Diese zu der Kartoffelmasse in die Schüssel geben.

Knoblauchzehe reiben und dazugeben (wenn gewünscht), Ei dazugeben, mit Salz und Pfeffer würzen und alles gut verrühren.

1-2 EL Öl in einer Pfanne erhitzen, soviel von der Masse hineingeben dass ein ca. 0,5 cm dicker Pfannkuchen entsteht und bei mittlerer bis hoher Hitze von beiden Seiten jeweils ca. 3-4 Minuten goldbraun und leicht knusprig braten.

Heiß mit Smetana (oder Schmand) servieren und mit etwas Dill bestreuen.

Unsere Wertung:
Sehr lecker und die perfekte Beilage zu Machanka. Durch das feine Reiben der Kartoffeln ähneln Draniki tatsächlich mehr einem Pfannkuchen als einem Kartoffelpuffer. Da sie sehr gehaltvoll sind kann ich mir gut vorstellen dass sie auch als Hauptgericht funktionieren – vielleicht mit einem etwas dickeren Klecks Smetana und einem Salat dazu. 
8/10 Punkte


Apfelkuchen nach weißrussischer Art

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Dieser einfache Apfelkuchen wird in Belarus mit Antonovka-Äpfeln hergestellt, einer alten russischen Apfelsorte.

Zeitaufwand:
20 Minuten + 1 Stunde Backzeit

Zutaten:
Für 4-6 Personen

5 Antonovka Äpfel (oder jede andere saure Apfelsorte)
3 Eier
225 g Zucker
120 g Mehl
1 halber TL Zimt (optional)
Etwas Puderzucker (optional)
1 EL Sonnenblumenöl

Zubereitung:
Backofen auf 180 Grad vorheizen.

Äpfel entkernen und in dünne etwa gleich große Spalten schneiden. (nicht schälen!)

Eier und Zucker (und nach Belieben Zimt) in eine Schüssel geben und mit einem Mixer aufschlagen.

Nach und nach Mehl dazu geben und dabei weiter rühren bis ein gleichmäßiger dickflüssiger Teig entsteht.

Die Backform mit dem Sonnenblumenöl einfetten und die Apfelspalten hineingeben.

Nun den Teig über die Äpfel geben. Nicht umrühren!

Das ganze kurz stehen lassen bis sich der Teig bis auf den Boden der Form verteilt hat.

Für 1 Stunde im vorgeheizten Ofen backen.

Nach Belieben mit etwas Puderzucker bestreuen. Wir haben auch noch einen Klecks Sahne dazu gegessen 🙂

Unsere Wertung:
Einfacher kann man einen Apfelkuchen wirklich nicht zubereiten und dafür schmeckt er überraschend gut. Auf Zimt und Puderzucker, die laut Originalrezept nicht enthalten sind, würde ich aber nicht verzichten, da er sonst vermutlich etwas langweilig ist.
6,5/10 Punkte


UNSER FAZIT:

Das belarussische Menü hat uns insgesamt gut gefallen und wieder einmal gezeigt, dass die einfachen Dinge oft die leckersten sind. Machanka und Draniki sind ein tolles Wohlfühlessen für kalte Wintertage und kommen bei Gelegenheit mit Sicherheit nochmal auf den Tisch.
Beim nächsten Mal geht es nach Belgien, mal sehen ob es dort auch noch etwas andere gibt außer Pommes und Bier… 🙂


REZEPTIDEEN UND INSPIRATION:

http://www.belarus.by/en/about-belarus/cuisine
http://www.healthy-life.narod.ru/wor_ek19.htm
http://discoverbelarus.weebly.com/belarusian-cuisine.html
https://aglobalgarnish.com/2013/03/11/my-grandfathers-belarusian-borscht/
http://www.myfudo.com/tastily-touring-visiting-belarus-with-a-borscht-recipe/
http://mynativebelarus.blogspot.de/2013/06/machanka-national-belarusian-food.html

Mochanka (Belarussian)

https://wherethefoodis.wordpress.com/2012/01/16/belarus-❀-machanka-draniki-and-kvass/
http://www.belarusianfood.com/2009/05/draniki.html
http://mynativebelarus.blogspot.de/2012/03/draniki.html
http://www.belarus.by/en/about-belarus/cuisine/draniki
http://belarusian-food.blogspot.de/2009/11/belarusian-food-apple-pie.html