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Angola (6/197)

Schlemmer-Reiseziel in dieser Woche ist das afrikanische Land Angola.

KarteAngola

Die Küche Angolas ist geprägt von der Kolonisation durch Portugal. Die Portugiesen brachten dabei nicht nur Lebensmittel und Gerichte aus ihrem eigenen Land nach Angola, sondern auch Rezepte aus ihren anderen Kolonien. Das ist der Grund dafür, dass soviele Parallelen zur Brasilianischen Küche bestehen. Dieser Mix aus traditionellen Gerichten, mit den Essgewohnheiten und Zubereitungsarten aus Europa und Südamerika macht die angolanische Küche so abwechslungsreich und interessant.

Angola ist ein großes Land mit vielen verschiedenen ethnischen Gruppen. Jede Ethnie hat ihre eigenen traditionelle Gerichte, an der Küste wird anders gekocht als im Inland und in Luanda, der Hauptstadt Angolas, ist die Küche mehr als überall sonst von den Einflüssen Portugals geprägt. Aber bei allen Unterschieden gibt es eine große Gemeinsamkeit: die Angolaner lieben ihr essen scharf!

Im ganzen Land verbreitet ist auch Funge, ein dicker Brei aus Maniokmehl. Er wird meist als Beilage gegessen, ärmeren Leuten dient er aber auch als Nahrungsgrundlage. Im Süden des Landes wird der Brei häufig mit Maismehl zubereitet, dann nennt er sich Pirão.
Eine essentielles Zutat Angolas ist Óleo de Palma, das Öl der roten Palmfrucht. Es wird in fast jedem Gericht verwendet und ist aus der angolanischen Küche nicht wegzudenken.

Andere wichtige Zutaten der angolanischen Küche sind Reis, Bohnen, Tomaten, Zwiebeln, Okraschoten, Huhn und Fisch (vor allem in den Küstengebieten). Aber auch Insekten sind in Angola eine Delikatesse. Man isst z.B. gebratene Raupen mit Knoblauch (Catatos) oder geröstete Heuschrecken (Gafanhotos de palmeria).

Das traditionelle Erfrischungsgetränk Angolas heißt Kussangua und besteht aus gegorenem Mais. Neben diversen alkoholische Getränken, die unter anderem aus Mais, Maniok oder Kartoffeln hergestellt werden, ist vor allem der angolanische Palmwein sehr beliebt.
Mongozo, eine von mehreren Biersorten Angolas, wurde bereits vor der Ankunft der Europäer vom Volk der Chowke gebraut und wird heute für den Export, z.B. nach Belgien, produziert.


MENÜ

Diese Woche besteht unser Menü aus einer Hauptspeise mit zwei typischen Beilagen und einer Nachspeise. Es gibt es keine Raupen oder Heuschrecken sondern:

Hauptgericht:
Muamba de Galinha (Chicken Muamba)
Angolanischer Hühnereintopf mit Kürbis und Okraschoten

Als Beilagen:
Feijão de Óleo de Palma und Funge
Bohnen in rotem Palmöl und Brei aus Maniokmehl

Nachspeise:
Cocada Amarela
Gelber Kokospudding

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Diesmal war es nicht ganz so leicht alle Zutaten zu bekommen, aber am Ende waren wir erfolgreich! Das Rote Palmöl haben wir in einem kleinen Bioladen gefunden – fair und aus ökologischem Anbau für ein reines Gewissen beim Kochen. Im Internet kann man es aber auch bestellen. Okraschoten gab es im Asia-Laden, aber bei den Schwarzaugenbohnen wurde es schon schwieriger. Gut dass wir einen kleinen Laden um die Ecke haben der afrikanische Spezialitäten verkauft. Dort fanden wir alles was wir noch brauchten. Maniokmehl, Palmnuss-Konzentrat und eine höllisch scharfe Habanero-Chili haben wir auch gleich noch mitgenommen.


Muamba de Galinha (Chicken Muamba)
Angolanischer Hühnereintopf mit Kürbis und Okraschoten

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Muamba de Galinha oder auch Chicken Muamba ist DAS Nationalgericht Angolas und verkörpert die traditionelle Küche. Wir sind sehr gespannt wie es sich mit Rotem Palmöl kocht (vor allem mit so viel davon!) und können es kaum erwarten die hübsche Dose mit dem Palmnuss-Konzentrat zu öffnen.

Zeitaufwand:
ca. 90 Minuten + 1 Stunde Marinierzeit.

Zutaten:
Für 4 Personen

1 kg Hühnerschenkel
1/2 Butternuss Kürbis (400 g)
ca. 20 Okraschoten
4 Tomaten
2 Zwiebeln
4 – 6 Knoblauchzehen
1 frische, scharfe Chilischote
250 ml Palmnusskonzentrat (Sauce Graine)
125 ml rotes Palmöl
Saft von einer Zitrone
1 1/2 TL Chilipulver
Salz

Zubereitung:

2 Knoblauchzehen reiben oder auspressen und zusammen mit Zitronensaft, Salz und Chilipulver in einer Schüssel verrühren. Hühnerfleisch damit einreiben und etwa 1 Stunde marinieren lassen.

Zwiebeln würfeln und restlichen Knoblauch hacken. Tomaten in Würfel schneiden.

Palmöl in einer großen und Tiefen Pfanne oder einem weiten Schmortopf erhitzen. Bei mittlerer bis starker Hitze die Hühnerschenkel von allen Seiten bräunen. Wenn nötig in mehreren Etappen.

Zwiebeln, Knoblauch und Tomaten dazugeben und aufkochen lassen. Chilischote als ganzes dazugeben, Hitze reduzieren und zugedeckt etwa 30 Minuten köcheln lassen.

Währenddessen Kürbis entkernen und in Würfel schneiden. Von den Okraschoten beide Enden abschneiden und in ca. 1 cm dicke Scheiben schneiden.

Nach den 30 Minuten Kürbis dazugeben und weitere 10-15 Minuten köcheln lassen, dann Palmnusskonzentrat einrühren (wenn in der Pfanne kein Platz zum umrühren ist, kann man die Hühnerschenkel kurz aus der Pfanne nehmen) und Okraschoten dazugeben. Weitere 5-10 Minuten kochen lassen.

Mit Salz abschmecken, Chilischote entfernen und mit Funge servieren.

Unsere Wertung:

Die Erwartungen waren bereits hoch, wurden aber tatsächlich noch übertroffen! Ein rundum gelungenes und schmackhaftes Gericht und bisher das interessanteste Essen unserer Schlemmerreise. Das Palmöl schmeckte eigentlich relativ neutral, aber das Palmnuss-Konzentrat war ein völlig neues und exotisches Geschmackserlebnis. Auch die Okraschoten (hatten wir vorher nie gegessen) schmecken toll und bilden zusammen mit dem Kürbis und dem leckeren Hühnchen eine perfekte Kombination. Es trieft allerdings vor Fett, das muss man mögen. Uns hat es nicht gestört.
9/10 Punkte


Feijão de Óleo de Palma
Bohnen in rotem Palmöl

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Feijão de Óleo de Palma werden in Angola häufig als Beilage gereicht. In keinem Rezept das wir gefunden haben war die Bohnensorte genauer definiert, man kann es also wohl mit jeder Bohnensorte kochen. Wir haben uns für die Schwarzaugenbohne entschieden, da diese im westlichen Afrika beheimatet ist und das Gericht somit authentischer macht. Sie heißen übrigens auf englisch Black Eyed Peas. Jetzt wissen wir also auch woher die Black Eyed Peas ihren Namen haben 🙂
Tomaten sind wohl nicht Teil des ursprünglichen Rezeptes, aber in dem ein -oder anderen Rezept kamen sie doch vor. Wir haben uns das entschieden sie zu verwenden und stattdessen die Menge des Palmöls ein klein wenig zu reduzieren.

Zeitaufwand:
30 Minuten + Einweichet und Kochzeit für die Bohnen

Zutaten:
Für 4 Personen als Beilage

200 g Bohnen (Schwarzaugenbohnen oder andere)
1 Zwiebel
1 Lorbeerblatt
3 Knoblauchzehen
2 Tomaten
125 ml rotes Palmöl
Salz

Zubereitung:

Bohnen über Nacht in reichlich Wasser einweichen lassen, abgießen und in leicht gesalzenem Wasser weich kochen (Dauer je nach Bohnenart)

Zwiebel und Knoblauch fein hacken, Tomaten in kleine Würfel schneiden.

Bohnen abgießen wenn sie weich sind und kurz beiseite stellen. Bohnenwasser aufbewahren.

In einem zweiten Topf das Palmöl erhitzen, Lorbeerblatt dazu geben und bei mittlerer Hitze Zwiebeln glasig dünsten. Knoblauch dazu geben und kurz andünsten.

Tomaten und Bohnen dazu geben und alles ca. 15 Minuten köcheln lassen.

Wenn man die Konsistenz etwas sämiger möchte kann man ein paar Bohnen mit einer Gabel oder einem Kartoffelstampfer zerquetschen. Wird das ganze zu dick kann man etwas vom Bohnenwasser angießen, je nach Belieben.

Mit Salz abschmecken und als Beilage servieren.

Unsere Wertung:

Das fettige Red Palm Oil scheint ein toller Geschmacksverstärker zu sein, denn auch dieses einfache Bohnengericht schmeckte absolut toll. Die Schwarzaugenbohnen hatten einen guten, etwas würzigen Geschmack. Insgesamt eine sehr leckere Beilage, die hervorragend zum Chicken Muamba passte.
8,5/10 Punkte


Funge
Brei aus Maniokmehl

Angolanisches Grundnahrungsmittel und typische Beilage zu Muamba de Galinha.
Wird beim Einrühren des Mehls in das Wasser nicht kräftig genug gerührt bekommt der Brei schnell Klümpchen, was einem kulinarischen Desaster gleich kommt. Es gibt sogar ein Lied des angolanischen Sängers Bonga, welches davon handelt. Im Text heißt es „Maria Casputo, o teu funje tem borbulhas…“ (Maria Casputo, dein Funje hat Klümpchen…)

Zeitaufwand:
5 Minuten

Zutaten:
200 g Maniokmehl
ca. 500 ml Wasser
1 Prise Salz

Zubereitung:

Wasser zum Kochen bringen und salzen.

Etwas vom Wasser abschöpfen und die Hitze reduzieren.

Das Maniokmehl langsam in das Wasser schütten und dabei ständig und kräftig rühren.
Falls das Rühren zu schwer wird etwas mit dem abgeschöpften Wasser verdünnen. Der Brei sollte aber eine dicke Konsistenz haben und nicht zu wässrig sein.

Unsere Wertung:

Genauso wie die beiden anderen Gerichte hat uns auch Funge absolut überzeugt. Das Maniokmehl schmeckt ein wenig holzig aber auch fruchtig und brachte mit seinem für uns neuen Geschmack noch mehr Exotik ins Essen. Viel besser als erwartet und unschlagbar schnell in der Zubereitung.
7/10 Punkte


Cocada Amarela
Gelber Kokospudding

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Cocada Amarela ist eine typisch angolanische Nachspeise. Das Rezept zeigt den Einfluss der Portugiesen, die bekannt sind für ihre kalorienreiche Süßspeisen auf der Basis von viel Eigelb und Zucker.

Zeitaufwand:
30 Minuten

Zutaten:
1 Tasse Zucker
3 Tassen Wasser
2 Gewürznelken
1/2 Kokosnuss
6 Eigelb
Gemahlener Zimt

Zubereitung:

Das Fruchtfleisch der Kokosnuss raspeln.

Zucker, Wasser und Nelken in einen Topf geben und unter Rühren zum Kochen bringen.

Wenn die Mischung kocht mit dem Rühren aufhören, aber weiter kochen bis die Mischung ca. 110°C erreicht.

Die Hitze auf kleinste Flamme reduzieren und die Nelken entfernen. Die Kokosnussraspel zugeben und unterrühren.

Für ca. 10 Minuten köcheln lassen, bis das Kokosfleisch durchsichtig wird. Dabei gelegentlich umrühren.

Währenddessen die Eigelbe ca. 1 Minute cremig schlagen.

Etwa die Hälfte des Zucker-Kokos-Sirups unter ständigem Rühren unter die Eigelb rühren. Dann alles zusammen wieder zurück in den Topf geben und rühren.

Unter häufigem Rühren weitere 10 Minuten auf kleiner Flamme leicht köcheln lassen bis es zu einem dicklichen Pudding eingekocht ist.

In Schüsseln füllen und abkühlen lassen. Mit Zimtpulver bestreuen und servieren.

Unsere Wertung:

Leider das erste Essen seit dem Start unseres Projektes, das uns misslungen ist. Die Temperatur vom Sirup hat bei uns nie mehr als 100°C erreicht und wir sind uns relativ sicher dass die 110°C ein Fehler sind, der sich durch sämtliche kursierenden Rezepte zieht. Das Kokosfleisch wurde auch nie wirklich durchsichtig und abgesehen davon haben wir wohl auch einen Fehler beim Einrühren der Eigelb-Masse gemacht denn das Ei ist uns im heißen Wasser gestockt. Am Ende ist die Masse überhaupt nicht fest geworden und wir mussten mit Stärke nachhelfen. Kurz gesagt, eine ziemliche Katastrophe. Trotzdem haben wir es natürlich probiert und man konnte es sogar essen. Begeistert waren wir allerdings diesmal nicht.
Falls jemand Lust hat es besser zu machen und das Rezept nachkocht, bitte unbedingt berichten!
4/10 Punkte


UNSER FAZIT:

Angola hat unseren kulinarischen Erfahrungsschatz mal wieder sehr bereichert. Wir haben viele neue Zutaten kenngelernt die wir vorher nicht kannten und hatten eine wunderschönes exotisches Abendessen, an das wir uns noch lange erinnern werden. Außerdem sind wir um die bittere Erfahrung reicher geworden dass auch mal etwas nicht gelingen kann 🙂
Nächste Woche geht es rüber über den Atlantik und in die Karibik nach Antigua und Barbuda.

 

 

 

 

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