Archiv der Kategorie: Nordafrika

Algerien (4/197)

In dieser Woche geht unsere Schlemmerreise zurück nach Nordafrika, diesmal nach Algerien.

KarteAlgerien

Die Küche Algeriens ist üppig und mit seinen verschiedensten Farben, Düften und Aromen ein Fest für die Sinne. Sie ist gleichermaßen pikant und süß und ist geprägt von den Einflüssen verschiedenster Völker.
Die Berber, die Ureinwohner Algeriens, ernährten sich hauptsächlich von Lamm, Gemüse und Trockenfrüchten. Aber Kolonialmächte und Handelspartner, wie Franzosen, Spanier, Türken, Araber, Römer und Phönizier, veränderten die Essgewohnheiten nach und nach. Sie brachten neue Gerichte und Zubereitungsarten mit neuen Gewürzen und Zutaten ins Land. So stammen z.B. die Eintopfgerichte von den Spaniern, das Tomatenpüree von den Franzosen und die Süßspeisen und Gewürze von den Türken und Arabern.

Weitere wichtige Zutaten in Algeriens Küche sind Couscous (Hartweizengrieß), Gemüse und Fleisch. Man verwendet die verschiedensten Gemüsesorten, wie Tomaten, Paprika, Zucchini, Zwiebeln und Kartoffeln. Als Fleisch kommt meist Hammelfleisch zum Einsatz, aber auch Hühnchen, Fisch und Meeresfrüchte werden gerne gegessen. Dazu gibt es Feigen, Datteln, Oliven oder Mandeln. Die häufigsten Gewürze sind Kreuzkümmel, Koriander, Fenchel, Safran, Majoran und Knoblauch.

Eine algerische Mahlzeit besteht meist aus Suppe oder Salat und einem Hauptgericht mit gebratenem Fleisch, Couscous und Gemüse. Gewürzt wird mit Harissa, einer scharfen Soße aus Paprika und Gewürzen.
Zum Nachtisch gibt es oft nur frisches Obst und Datteln, aber auch sehr süße und fettige Desserts (wie z.B. Baklava) werden gegessen.
Man trinkt gerne starken Kaffee, und als Durstlöscher und Erfrischung gibt es heißen Pfefferminztee.
An den Imbissständen in den Städten Algeriens werden Merguez (scharfgewürzte Lammfleischwürstchen) und gefüllte Baguettes verkauft.

Kochen wird in Algerien als eine Kunst angesehen, die weit über den einfachen Prozess der Essenszubereitung hinausgeht. Es ist die Kunst sich Zeit für die Dinge zu nehmen, die Kunst des Präsentierens und die Kunst das Leben zu genießen.

MENÜ

Nachdem wir immer noch satt sind von unserem albanischen 3-Gänge-Menü sieht unsere Planung diesmal etwas anders aus. Diese Woche kochen wir 2 Hauptspeisen verteilt auf zwei Tage und statt einer Nachspeise gibt es nur Plätzchen zum Tee.

Hauptspeise 1:
Dolma Algérienne
Gefülltes Gemüse mit Hackfleisch und Reis

Hauptspeise 2:
Couscous
Vegetarisch mit Gemüse

Zum Tee:
Makrout el Louz
Mandel-Zitronen-Plätzchen

Zutaten_2

Die algerischen Zutaten sind ganz einfach zu bekommen. Couscous gibt es eigentlich in jedem gut sortierten Supermarkt. Ansonsten wird man auf jeden Fall im Bioladen oder im türkischen Supermarkt fündig
Auch Harissa gibt es im türkischen Supermarkt. Da die Paprika-Paste nach unser Erfahrung schnell schimmelt bitte unbedingt im Kühlschrank aufbewahren und am besten nur eine kleine Tube kaufen.
Die Ras El Hanout Gewürzmischung kann man entweder selber machen oder im Bioladen kaufen. Wir hatten zufällig noch ein Tütchen von unserem letzten Gewürze-Shopping beim „Schuhbeck“ 🙂


Dolma Algérienne
Gefülltes Gemüse mit Hackfleisch und Reis

IMG_2200_klein     IMG_2210_klein

Dolma kennt man meist aus der griechischen Küche in Form von gefüllten Weinblättern oder aus der Türkischen als gefüllte Paprika. In Algerien versteht man darunter aber eine Variation von verschiedenen Gemüsesorten, die mit Hackfleisch oder einer Hackfleisch-Reis Mischung gefüllt sind.
Wir haben uns für Paprika, Tomate, Zucchini und Kartoffeln entschieden, häufig gehören aber auch noch gefüllte Zwiebeln dazu. Im Prinzip kann man das Rezept mit jedem beliebigen Gemüse (das sich füllen lässt) abwandeln.
Ich liebe gefüllte Paprika, deswegen musste dieses Gericht natürlich unbedingt ausprobiert werden.

Zeitaufwand:
45 Minuten + 55 Minuten Garzeit im Ofen

Zutaten:
Für 2 Personen zum satt essen

350 g Hackfleisch (Rind oder Lamm)
100 g Reis
2 große Kartoffeln
2 kleine Paprika
2 große Tomaten
1 große Zucchini
2 mittelgroße Zwiebeln
1 Tasse Kichererbsen (aus der Dose)
1 Ei
1-2 Knoblauchzehen
1 EL Tomatenmark
1 TL Harissa
1 Bund Petersilie, gehackt
2 TL Zimt
1 EL Butter
6 EL Öl
450 ml Wasser
Salz
schwarzer Pfeffer

Zubereitung:

1 Zwiebel in Würfel schneiden und die Hälfte der gehackten Petersilie zusammen mit Hackfleisch, Reis, 1 TL Zimt und Butter in eine Schüssel geben.
Gut pfeffern und salzen, dann mit dem Ei vermischen und zu einer klebrigen Masse kneten.

Zucchini, Tomaten und Paprika waschen, Kartoffeln schälen. Nun muss das Gemüse ausgehöhlt werden:
Kartoffeln halbieren und mit einem Teelöffel aushöhlen, so dass etwa 1/2 cm Rand bleibt. Das Innere der Kartoffeln aufheben und in einer Schüssel beiseite stellen.
Paprika mit einem Messer um den Stiel herum kreisförmig einschneiden und den so entstandenen Deckel abnehmen. Kerne entfernen.
Auch bei der Tomate einen kreisförmigen Deckel herausschneiden und dann mit einem Teelöffel aushöhlen. Auch das Inneren der Tomaten nicht wegwerfen sondern in einer Schüssel beiseite stellen.
Zucchini in 3 Teile schneiden und mit dem hinteren Ende des Teelöffels das Innere herauskratzen. An den beiden Randstücken jeweils das Ende dran lassen, beim mittleren Stück einen etwa 1 cm dicken Boden lassen.

Nun wird das ausgehöhlte Gemüse mit der Hackfleischmischung gefüllt. Wenn etwas von der Mischung übrig bleibt, kleine Bällchen daraus formen.
Das gefüllte Gemüse und die Hackfleischbällchen in eine hohe Auflaufform (am besten mit Deckel) legen.

Backofen auf 180 Grad vorheizen.

Nun die zweite Zwiebel würfeln und den Knoblauch hacken.
Olivenöl in einen Topf geben und die Zwiebelwürfel darin auf mittlerer Hitze goldbraun braten. Knoblauch hinzufügen und kürz andünsten, dann Tomatenmark, Harissa, und 1 TL Zimt hinzufügen. Etwas salzen und kurz köcheln lassen.

Das Innere der ausgehöhlten Tomaten dazugeben und umrühren, dann mit 450 ml Wasser aufgießen. Kichererbsen, das Innere der ausgehöhlten Kartoffeln und die restliche Petersilie dazugeben (etwas von der Petersilie zum Garnieren aufheben) und nochmal aufkochen lassen. Mit Salz und Pfeffer abschmecken.

Soße vom Herd nehmen und über das Gemüse in der Auflaufform geben. Auflaufform abdecken (wenn kein Deckel vorhanden, dann mit Alufolie) und in vorgeheizten Backofen stellen. Nach ca. 45 Minuten den Deckel abnehmen und noch 10 Minuten im Ofen lassen damit das Gemüse das aus der Soße herausragt noch etwas Farbe annehmen kann)

Das Gemüse und die Hackfleischbällchen auf die Teller verteilen und die Soße mit den Kichererbsen darüber geben.
Mit etwas gehackter Petersilie bestreuen und servieren.

Unsere Wertung:

Großartig! Appetitliche Optik, einfache Zubereitung und wahnsinnig lecker. Wer gefüllte Paprika mag wird diese Rezept lieben. Durch den Zimt und die Kichererbsen bekommt das Gericht eine tolle orientalische Note und es macht große Freude beim Essen die verschiedenen Gemüse mit ihren unterschiedlichen Geschmäckern durchzuprobieren. Ein absolutes Lieblingsessen das wir mit Sicherheit noch oft kochen werden.
9/10 Punkte


Couscous
Vegetarisch mit Gemüse

IMG_2251_klein     IMG_2255_klein

Couscous ist die wichtigste Zutat in Algeriens Küche. Er wird sowohl als Hauptmahlzeit als auch als Beilage zu Fleisch oder Fisch gereicht. Er wird von armen Leuten genauso gegessen wie zu einem Festmahl, er schmeckt überall anders und es gibt die verschiedensten Variationen.

Wir kochen ein typisches Gemüse-Couscous. Wenn in Algerien von Couscous die Rede ist, ist meistens diese Gericht gemeint (und nicht nur der Hartweizengrieß an sich).

Zeitaufwand:
45 Minuten

Zutaten:
Für 2 Personen

250 g Couscous
200 g Kartoffeln
150 g Möhren
150 g Zucchini
150 g Süßkartoffel
150 g Fleischtomaten
1 Dose Kichererbsen
1 Dose Tomaten
1 große Zwiebel
2 Knoblauchzehen geviertelt
4 EL Olivenöl
20 g Butter (kann für eine vegane/laktosefreie Zubereitung entfallen)
3 TL Ras el Hanout
1 TL gemahlener Kreuzkümmel
2 Stangen Zimt, je ca. 5 cm
2 EL Tomatenmark
1 EL Honig
250 ml Wasser
Salz
Harissa

Zubereitung:

Kartoffel, Süßkartoffeln und Möhren schälen. Zucchini waschen und die Enden abschneiden.

Nun wird das Gemüse wird in eine besondere Form geschnitten. Dazu alles in etwa 6 cm lange Zylinder schneiden. Diese anschließend längs halbieren und die beiden Hälften noch einmal diagonal durchschneiden.

Jetzt die Zwiebel schälen, halbieren und in halbe Ringe schneiden. Die Kichererbsen abtropfen lassen. Die Fleischtomaten waschen, den Stielansatz entfernen und in grobe Stücke schneiden.

In einem großen Topf bei mittlerer Temperatur das Olivenöl erhitzen. Die Zwiebelringe darin weich und glasig dünsten.

Die weichen Zwiebeln mit dem Ras el Hanout, dem Kreuzkümmel und etwa Salz mischen. Dann das vorbereitete Gemüse, geviertelte Knoblauchzehen, Zimtstangen, Honig und das Tomatenmark hinzufügen und alles gut vermischen. Etwas Wasser angießen und etwa 30 Minuten im geschlossenen Topf köcheln lassen bis das Gemüse weich ist.

Währenddessen den Couscous zubereiten. Dazu Wasser mit 1 EL Öl und 1 TL Salz zum kochen bringen. Vom Herd nehmen, Couscous einrühren und 2 Minuten quellen lassen. 3 Haselnussgroße Butterstücke dazu geben und auf kleinster Flamme 3 Minuten fertig garen. Butter dabei mit einer Gabel unterrühren und Couscous auflockern.

Zum Anrichten zuerst Couscous auf die Teller verteilen. Zimtstangen aus dem Gemüse entfernen und dann über dem Couscous verteilen. Mit einem Klecks Harissa servieren.

Unsere Wertung:

Ein einfaches und sehr schmackhaftes Gericht. Das Ras el Hanout Gewürz macht einen tollen orientalischen Geschmack und durch die getrennte Zubereitung wird der Couscous nicht in der Gemüsesoße matschig gekocht sondern bleibt schön locker und körnig. Ein tolles Essen wenn es mal einfach und schnell gehen soll.
8/10 Punkte


Makrout El Louz
Mandel-Zitronen-Plätzchen

IMG_2227_klein IMG_2242_klein

Ein sehr süßes und typisch algerisches Gebäck.

Zeitaufwand:
45 Minuten

Zutaten:
Für ein Backblech

250 g Mandeln, gemahlen, weiß
250 g Zucker
200 g Puderzucker
1 Ei
geriebene Zitronenschale (von 1 Zitrone)
1 Prise Salz
1 EL Orangenblütenwasser oder Orangenlikör
150 ml Wasser

Zubereitung:

Als erstes wird ein Zuckersirup zubereitet. Dazu 150 g Zucker in 150 ml Wasser auflösen und aufkochen. Ca. 10 Minuten köcheln und dann abkühlen lassen.
Backofen auf 180 Grad vorheizen.

Für den Teig Mandeln, 100 g Zucker und Zitronenschale vermengen. 1 kleine Prise Salz und Ei dazu geben und zu einem Teig kneten. Der Teig sollte zäh aber formbar sein.
Aus dem Teig einen Rolle von 3-4 cm Durchmesser formen, platt drücken so dass sie noch etwas 2 cm hoch ist und an den kurzen Seiten etwas abschrägen. Das Rechteck etwa alle 3 cm im gleichen Winkel wie die abgeschrägten Seiten einschneiden so dass Plätzchen in Rautenform dabei entstehen. Plätzchen auf einem Backblech verteilen und im vorgeheizten Ofen für 10 Minuten backen.

Nun müssen die Plätzchen rundherum mit einer gleichmäßigen Schicht Puderzucker bedeckt werden.
Dazu am besten etwas von dem Puderzucker auf einen tiefen Teller oder eine weite Schüssel sieben. Einen EL Orangenblütenwasser/Orangenlikör zum abgekühlten Zuckersirup dazu geben und umrühren. Nun die Plätzchen nacheinander in den Zuckersirup tunken und richtig vollsaugen lassen. Danach auf den Teller mit Puderzucker legen, nochmals Puderzucker darüber sieben und dann von allen Seiten mit den Händen andrücken.
Etwas stehen lassen so dass sich eine schöne Zuckerkruste gebildet hat und danach noch mal mit Puderzucker bestäuben.

Unsere Wertung:

Die Plätzchen waren sehr sehr süß, aber auch mindestens genauso köstlich. Sie sehen aus wie kleine Schneehügel und so passten sie wunderbar zum verschneiten Wintertag. Wir haben einen ungesüßten Touareg-Tee (Güner Tee mit Nana-Minze) dazu getrunken, das nimmt dem Gebäck etwas von seiner extremen Süße.
8,5/10 Punkte


UNSER FAZIT:

Algerien ist bis jetzt das kulinarische Lieblingsland unserer Schlemmerweltreise. Alles war sehr einfach zuzubereiten und schmeckte hervorragend. Man bekommt große Lust das Land einmal zu bereisen und alle Köstlichkeiten vor Ort auszuprobieren. Leider ist das ja nicht so einfach möglich…
Jetzt sind wir gespannt ob unser nächstes Ziel mithalten kann. Die Reise geht nach Europa, und zwar in den kleinen Staat Andorra.